Ein Jahr in den USA mit dem Parlamentarischen Patenschaftsprogramm

Für das Jahr 2016/2017 habe ich 15-jährige  Anna-Lena Bast aus meinem Wahlkreis als Junior-Botschafter nominiert.

Für das Jahr 2015/2016 habe ich den 15-jährigen  Philip Sloma aus meinem Wahlkreis als Junior-Botschafter nominiert.

Erlebnisberichte der Stipendianten

2014/2015 Tobias Denk 

Fremde werden zu Familie


Das Schuljahr 14/15 habe ich dank des Parlamentarischem Patenschafts-Programms und meinem Bundestagsabgeordneten Herrn Alois Rainer, in den USA verbringen dürfen. Ich lebte in einer Gastfamilie in Roseburg im Bundesstaat Oregon. Dort besuchte ich die Roseburg Highschool.


Viel zu schnell ist das Abenteuer USA vorbei gegangen. Manchmal fühlt es sich immer noch so an, als ob es erst gestern war, als ich in Seattle aus dem Flieger gestiegen bin und für mich ein völlig neues und unbekanntes Kapitel in meinem Leben angefangen hat. Vor allem meine Gastfamilie ist eine zweite Familie für mich geworden.

Die   Barnett   Family,   meine Gastfamilie, setzte sich zusammen aus meinem Vater Todd(53), meiner Mutter Allie (50), meiner Schwester Abbie (21) und meinen Gastbrüdern Nathan (27) und Jared (24). Meine beiden Brüder waren allerdings beide verheiratet und wohnten nicht mehr zu Hause.

Meine   Famile   liebte Outdoor‑ Aktivities und so unternahmen wir verschiedene Camping-Trips, kajakten den Umpqua-Fluss oder wanderten zu einem der vielen Wasserfälle in Oregon. Außerdem liebten wir Ausflüge an die nahe Pazifik Küste, zum Beispiel zum Krabbenfischen.

Mein Lieblingsabenteuer war allerdings unser Spring-Break Trip nach San Francisco. Es war schön, die Golden Gate Bridge, die man schon so oft in Filmen oder auf Fotos gesehen hat, mit eigenen Augen zu sehen. Besonders beeindruckend war jedoch, mit dem Fahrrad über jene Brücke zu fahren.

Wir erkundeten außerdem die Altstadt von San Francisco, besuchten das Bay Aquarium und fuhren durch die Lombard Street, die kurvigste Straße der Welt. Wir verbrachten auch einen Tag in den California Adventures, einem Erlebnispark mit verschiedenen Achterbahnen und anderen Attraktionen.

Natürlich feierten wir auch alle traditionellen Feste wie Thanksgiving, Weihnachten und Ostern.

Zur Schule fuhr ich jedem Morgen mit dem Schulbus. Dieser war traditionell – gelb! Diese sehen zwar auf den ersten Blick groß und gemütlich aus, sind aber leider laut und eng, besonders wenn man größer gewachsen ist.

Meine Schule war mit rund 1,700 Schülern eine der größten Highschools in Oregon. Die Schule beherbergte Schüler von der 9. bis zur 12. Klasse. Es war so am ersten Schultag nicht immer leicht, sein jeweiliges Klassenzimmer zu finden, da sich die Schule über mehrere Gebäude erstreckte. Nach ein paar Tagen wurden jedoch alles zur Routine und ich schaffte es in jedes Klassenzimmer zur richtigen Zeit, den zwischen den einzelnen Stunden hatte man fünf Minuten Zeit das Klassenzimmer zu wechseln. Und diese fünf Minuten waren oft knapp!

Ich belegte die Fächer: Englisch, Marketing, Algebra, Government, Theater, History und Medical Biology.

Am Anfang war es besonders in den Fächern Englisch und Algebra schwierig Schritt zu

halten. Besonders mathematische Fachbegriffe waren am Anfang hart zu verstehen, aber im Laufe der Zeit wurde es fast zur Routine. Im Großen und Ganzen ist zu sagen, dass das Unterrichtsniveau nur bedingt mit dem in Deutschland zu vergleichen ist. Die Lernintensität ist viel geringer und Schülern ist es oft selbst überlassen, wie viel Unterricht sie aktiv mitmachen wollen. Zum anderen sind Tests viel einfacher, da es meist Multiple Choice Tests sind, die es dem Lehrer ermöglichen, den Test in wenigen Minuten für die ganze Klasse zu korrigieren.

Den meisten Spaß hatte ich in Government, was aber mehr an unserer Lehrerin als an den Lehrinhalten lag. Sie schaffte es ihren Schülern die trockenen Gesetze und politischen Abläufe in Amerika lebendig und mit viel Humor zu vermitteln.

High School in Amerika ist aber mehr als nur Unterricht. Unsere Schule bot um die 30 verschiedene Clubs, in denen man sich engagieren konnte. Es gab alles, vom Debattierclub, über Spanisch Club bis hin zum Yu-Gi-Oh Club. So war für jeden etwas dabei und viele Schüler engagierten sich dort nach dem Unterricht. Ich selbst habe mich bei FBLA engagiert. Es steht für „Future Business Leaders of America“ und es geht darum, mit unternehmerischen Idee den Schulalltag für seine Schule zu verbessern. Wir haben uns zum Beispiel dafür eingesetzt, die Mülltrennung an unserer Schule zu verbessern und haben zusätzliche Recyclingmöglichkeiten geschaffen.

Ich hatte auch die Möglichkeit an unserem Schultheaterstück mitzuwirken, und zu meinem erstaunen bekam ich sogar eine Sprechrolle. Noch spannender war allerdings im Musical mitzuspielen. Es war ein großes Spektakel mit vielen bunten Kostümen, Perücken und Make-Up. Wir hatten insgesamt 3 Vorstellungen und jede war ein voller Erfolg.

Einen noch wichtigeren Teil des Schullebens stellt Sport dar. Es gibt viele Sportarten, an denen man teilnehmen kann. Im Herbst Football, Soccer, Volleyball und Cross Country. Im Winter Schwimmen, Wrestling und Basketball, im Frühling Baseball, Softball, Lacrosse, Golf und Track and Field.

Der wichtigste Sport an den meisten Schulen ist mit Abstand Football. Es ist das Highlight der Schulwochen im Herbst und fast alle Schüler kommen am Abend ins Schulstadion, gekleidet in den Schulfarben, in Roseburg ist das Orange und Schwarz, und feuern ihr Team an. Außerdem spielt die Schulband und macht aus dem Spiel eine richtige Show. Auch viele Stadtbewohner kommen zu den Heimspielen der Schulmannschaften. „Schoolpride“, also der Stolz auf die Schule, ist in Amerika sehr wichtig und macht High School zu einem tollen Erlebnis.

Ich habe mich auch sportlich betätigt und habe in den Wintermonaten Schwimmen, und im Frühling Lacrosse ausprobiert. Beides hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich habe dadurch viele neue Freunde gefunden. Das tägliche Training war zwar sehr hart aber auch belohnend, da man immer besser wurde und so auch mit den „geübteren“ besser mithalten konnte.

Besonders Lacrosse hat mir sehr gut gefallen, da es ein Mannschaftssport war und auch physisch sehr anspruchsvoll.

Die besten Erinnerungen habe ich an die Schultänze Homecoming und Prom. Homecoming findet im Herbst statt und markiert das Ende der Football Saison. Es ist ein Tanz für alle Altersstufen und ist eher leger, wobei die Jungs in Hemd und Krawatte und die Mädchen in kurzen Abendkleidern gehen. Prom allerdings ist viel formeller. Es dürfen nur 11. und 12. Klässler zu diesem Ball gehen. Die Kleiderordnung ist auch streng geregelt. Mädchen tragen lange Abendkleider und Männer Smoking. Man darf sich die Tanzweise allerdings nicht formell vorstellen, es gleicht mehr einer Disco als einer klassischen Tanzveranstaltung.

 

Ich finde, das Highlight des ganzen Jahres war die Graduation, also die Abschlusszeremonie für die 12. Klassen. Es ist sehr traditionell und alle Entlass-Schüler tragen „Cap and Gown“ und die Zeremonie findet auf dem Football-Feld statt unter den Augen aller Eltern, Großeltern und Verwandten. Jeder bekommt sein Abschluss-Diploma und hat dann offiziell 12 Jahre an Schule erfolgreich beendet. Das beste ist das Werfen der Kappe nach Abschluss der Zeremonie.

Dieser Tag ist einer der wichtigsten im Leben für Amerikaner, denn viele nehmen das Jahr des Highschool Abschlusses als Referenzpunkt in der persönlichen Zeitrechnung her.

Leider war mit Graduation auch mein Austauschjahr schon fast vorbei und es war hart, von den vielen neugewonnenen Freunden Abschied zu nehmen.

Härter war der Abschied allerdings von der Familie, denn diese hat man in den 11 Monaten am besten kennen gelernt.

Dank des PPP konnte ich die letzten Tage noch in Washington D.C. verbringen und besuchte dort das Büro meines Congressmen, um mich beim ihm für die Unterstützung des Programmes zu bedanken. Außerdem hatte ich noch Zeit das Capitol, das Weiße Haus und das Washington Memorial zu besichtigen.

Meine Austauschorganisation AFS hat mich das ganze Jahr über wunderbar betreut und ich hatte mindestens 1 mal im Monat Kontakt mit meiner Vertrauenspersonen, welche mir bei Schwierigkeiten mit Rat und Tat zur Seite gestanden ist. AFS organisierte auch das ganze Jahr über Ausflüge und Treffen mit anderen Austauschschülern, so dass man auch andere Kulturen ein bisschen kennen gelernt hat.

Am Ende möchte ich mich bei allen bedanken, die dieses Jahr für mich unvergesslich gemacht haben. Als erstes bei meinem Abgeordneten Alois Rainer, dass er mir die Möglichkeit für dieses Auslandsjahr eröffnet hat. Meiner Gastfamilie, die mich wie ihren eigenen Sohn behandelt hat und alles getan hat, dass ich mich in ihrer Familie wohlfühlte. AFS für die super Betreuung im In- und Ausland und natürlich meiner Familie und allen Freunden in Deutschland die mich immer vollends unterstützt haben.